
Als erste Reaktion versteht die Bürgerinitiative, die für den Erhalt der Krankenhäuser Lübbecke und Rahden eintritt, die Empörung der BBO-FDP-Jurats Ratsfraktion. Im zweiten Step sollte die Ratsfraktion sich ganz sachlich mit den Realitäten vertraut machen und ihre aggressiven Äußerungen überdenken. Das Thema hat zwei Komponenten: Erstens ist allen Bürgerinnen und Bürgern im Kreisgebiet eine möglichst gleichwertige stationäre und ganz besonders stationäre Notfallversorgung zu gewähren. Zweitens: Die stationäre Gesundheitsversorgung muss finanzierbar sein.
Das Versprechen des NRW Gesundheitsministers Laumann lautet: „90 % der Einwohner sollen in 20 Minuten eine stationäre Notfallversorgung erreichen können“. Im Altkreis Lübbecke war dies durch die intakte Krankenhausstruktur mit Rahden und Lübbecke beinahe gewährleistet. Durch die Schließung Rahdens sind große Teile des Nordkreises erheblich unterversorgt. Bis ein neues Krankenhaus in Espelkamp gebaut ist, können fünf und mehr Jahre vergehen. Es kann auch sein, dass es mangels Finanzierbarkeit niemals gebaut wird.
Demgegenüber sind für Bad Oeynhausener, auch ohne ein Krankenhaus-Neubau, vier Kliniken in 20 – 25 Minuten erreichbar. Also im Vergleich zum Nordkreis, eine sehr komfortable Situation. Es geht also nicht um „Ignoranz und Abscheu gegenüber Bad Oeynhausen“ und schon gar nicht darum, „dass Bad Oeynhausen auf alles verzichten“ soll, wie die Bad Oeynhausener Ratsfraktion polemisch behauptet, sondern um eine Mindestversorgung der Nordkreisbewohner.
Die stationäre Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist eine Solidaraufgabe, deshalb ist der überhebliche Hinweis der Ratsfraktion, dass „Bad Oeynhausen nach Minden die Stadt mit den meisten wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern im Kreis und der zweitgrößte Kreisumlagen-Zahler“ ist, sehr irritierend. Jeder Einzelne in Rahden hat den gleichen Wert wie ein Bad Oeynhausener.
Wenden wir uns der Finanzierung zu. Alle Kommunen und der Kreis sind bereits heute in größten finanziellen Schwierigkeiten. Dabei ist es ein unverantwortliches Wagnis unnötige Neubaumaßnahmen anzuschieben, die in Anbetracht der nationalen und internationalen Unwägbarkeiten über einen Zeitraum von 30 Jahren zerrüttende Wirkung auf die Kommunalhaushalte haben werden. Weder für Schulen, Kitas, Sport- und Kulturstätten, noch für sonstige öffentliche Aufgaben, wird Geld da sein. Im Zuge dessen ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, die Risiken abzuschichten und über mögliche Alternativen und das Abschneiden alter Zöpfe nachzudenken.
Im Altkreis Lübbecke ist, entgegen aller Behauptungen, der Sanierungsumbau des Krankenhauses Lübbecke und der Erhalt des sanierten, funktionsfähigen Krankenhauses Rahden weit günstiger, als ein im Vergleich leistungsärmerer Neubau in Espelkamp.
Dass die Bad Oeynhausener an der Auguste-Viktoria-Klinik hängen, ist emotional völlig verständlich. Sachlich nicht. Die AVK ist eine Fachklinik, die ihre Aufgabe im Uniklinikum Minden mindestens genau so gut erfüllen kann wie in Bad Oeynhausen. Kostenersparnis allein für die Sanierung: 100 Mio. €. Und das geplante neue Krankenhaus in Bad Oeynhausen ist teuer und von seinen Leistungsmerkmalen in jeder Hinsicht mangelhaft. Mit den geplanten 100 Betten kann ein Krankenhaus auch in Bad Oeynhausen nicht wirtschaftlich betrieben werden und von der fachlichen Kompetenz ist es als Grundversorger unattraktiv. Längst haben das Uniklinikum Minden und das HDZ bereits heute lukrative Abteilungen übernommen, die sie auch nicht mehr hergeben werden. Ein solches Krankenhaus brauchen die Bad Oeynhausener nicht.
Stets hat die Bürgerinitiative zu Gesprächen eingeladen. Stets haben Politiker, Landrat und MKK-Verantwortliche die Diskussion gescheut. Und so ist es auch mit der BBO-FDP-Jurats Fraktion. Ausser schwachen, faktenfreien Anschuldigen wird nichts Konstruktives zur Problemlösung beigetragen.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Peitzmeier
Vorsitzender der BI
Habichtweg 1
32609 Hüllhorst
Tel.: 0160 7434447
